Veröffentlichungen Detailansicht

ERTMS/ETCS - Erfahrungen und Ausblicke


Verlag:

DVV Media Group GmbH

Medium
(Zeitschrift, Zeitung etc.):

SIGNAL + DRAHT


Details:

ERTMS/ETCS - Erfahrungen und Ausblicke


Jahr: 2007
Nummer: 10
Datum: Oktober
Autor: Jasques Pore
Seite(n): 34-40




WWW:



Land:

alle - europaweit


Inhalt:

ERTMS/ETCS wird den Eisenbahnverkehr wettbewerbsfähiger machen und zahl- reiche Infrastrukturunternehmen haben die nationale Einführung bereits festge- legt. Nach einer anfänglichen Einführungs- phase von 10 bis 20 Jahren (wir befinden uns bereits in dieser Phase) werden weni- ger Investitionen erforderlich sein, um ein anspruchsvolles Zugsteuerungssystem (das ATC und ATP beinhaltet) auf den Korri- doren mit den Hauptstrecken zu installie- ren. Die Instandhaltungsanforderungen und -kosten werden reduziert, eine kon- servative Schätzung geht von 15 % aus. Dies ist im Wesentlichen verursacht durch die Reduzierung des Umfangs an strecken- seitigen Installationen. Diese Einsparungen überschreiten die steigenden Kosten für die Fahrzeugeinrichtungen deutlich. Au- ßerdem erlaubt ERTMS/ETCS einen hö- heren Durchsatz an Zügen. Um die Migration zu erleichtern und den Standard einfach zu halten, sind die fol- genden Maßnahmen empfehlenswert: - ETCS muss von den Herstellern so ge- liefert werden, dass es das operative Geschäft der Eisenbahnen unterstützt und zur Verbesserung der Strategie bei- trägt. Bei Einbeziehung von ERTMS in die Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen für die Hauptstreckenkorridore sollte ein entsprechender Vergleichswert er- reicht werden. - Voll interoperable Standards müssen stabilisiert und während der Einfüh- rungsperiode im Rahmen einer europä- ischen Aufgabe von allen betroffenen Parteien gepflegt werden. Europäische Zertifikate müssen für alle Interoperabi- litätskomponenten durch die Hersteller zur Verfügung gestellt werden. - Die Eisenbahnen (Infrastruktur- und Verkehrsunternehmen) sollten bald- möglichst die betrieblichen Regelnfür ERTMS/ETCS beschließen, um die wirtschaftlichen Möglichkeiten auf den Hauptkorridoren zu maximieren und um einen Beitrag zur Stabilisierung der Standards zu leisten. Um einen effizienten Betrieb - beson- ders in Anbetracht des wachsenden Wettbewerbs durch die Straße - si- cherzustellen, sollte es ein Verkehrslen- kungszentrum nur pro Korridor geben. - Diese einzige Lenkungsinstanz würde ein bedeutender Beitrag dazu sein, das optimale Kosten/Nutzen-Verhältnis und die Ziele der Wirtschaftlichkeitsuntersu- chung zu erreichen. - Infrastruktur- und Verkehrsunterneh- men sollten die nationalen Funktionen minimieren oder sie besser durch voll- kommen standardisierte europäische Funktionen auf den Frachtkorridoren ersetzen, um so zu einheitlichen be- trieblichen Bedingungen für die Fahr- zeuge zu kommen. Das entspricht dem, was der Wettbewerb auf der Straße be- reits tut. - Im Allgemeinen sollte der Fokus auf der Reduzierung der Anzahl der bisherigen Zugsteuerungs- und Zugsicherungssys- teme liegen, um sobald wie möglich den Güterverkehr über große Distanzen zu vereinfachen und zu fördern. - Es sollte vereinbart werden, dass alle neuen Züge und Lokomotiven für die Verkabelung und die Stromversorgung von ERTMS/ETCS vorbereitet und am besten bereits mit einer ERTMS/ETCS- Ausrüstung geliefert werden. - Ältere Fahrzeuge nachzurüsten hat sich als teuer erwiesen und sollte nur er- wogen werden, wenn zahlreiche Fahr- zeuge einer Baureihe existieren und sich dadurch wirtschaftliche Vorteile erge- ben und wenn solche Baureihen eine Restlebenszeit von mehr als fünf Jahren haben. - Es wird eine allgemeine, korridorbe- zogene Vorgehensweise für Cross-Ac- ceptance benötigt, um die geringst möglichen Kosten für die Implementie- rung in ganz Europa sicherzustellen. Die volle oder teilweise Akzeptanz der oben genannten Maßnahmen würde die Wirt- schaftlichkeit der Einführung von ERTMS/ ETCS unmittelbar verbessern. Die Empfeh- lungen berücksichtigen jedoch auch, dass jedes Land mit der ihm eigenen Organisa- tion des Eisenbahnsektors (Infrastrukturun- ternehmen plus Verkehrsunternehmen oder voll integrierte Eisenbahnunternehmen) seine eigene Traditionen, Kultur und be- vorzugten Vorgehensweisen hat, die über Nacht nicht ersetzt werden können. ERTMS/ETCS ist natürlich ein für eine lange Lebensdauer entworfenes System, für das weitere Entwicklungsarbeit geleis- tet werden muss. Dies wird ein kontinu- ierlicher Prozess sein. Das Internationale Technische Komitee (ITC) der IRSE wird auch künftig die Entwicklung verfolgen und in weiteren Artikeln über die Situation des ERTMS/ETCS aktuell berichten. Viele Eisenbahnen habenauch weiterhin Beden- ken bei der Einführung des ERTMS/ETCS, insbesondere bezüglich der Kosten, der Einführungsmethodik sowie der Probleme im Zusammenhang mit Fortentwicklung der Spezifikationen und der Software-Up- grades. Das ITC kennt diese Bedenken und wird seine Position dazu zu entsprechender Zeit verdeutlichen.


Stichworte:

ERTMS / ETCS


 

Schienenverkehrsportal, Infrastruktur Schienenverkehr